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09.10.2026

Ein Ka-Ching für Kreativität

Weniger Zukunftsängste, mehr Geschäftsideen: Kreativunternehmer Thomas Niederdorfer zeigte bei der Fachgruppentagung in Villach, warum die Werbebranche nicht noch mehr Prognosen, sondern neue Geschäftsmodelle braucht.

Was wird aus der Werbebranche im Zeitalter künstlicher Intelligenz? Welche Geschäftsmodelle haben tatsächlich Zukunft? Fragen, die derzeit viele Kreative beschäftigen. Bei der Fachgruppentagung der Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation am 8. Oktober im Kunsthaus-Sudhaus in Villach lieferte Thomas Niederdorfer von we make stories darauf keine weiteren Zukunftsprognosen, sondern konkrete Denkansätze. Rund 100 Teilnehmer:innen folgten der Einladung von Fachgruppenobmann Volkmar Fussi und erlebten einen Abend zwischen kreativem Unternehmertum, Branchennews und Networking.

No Worries: Weniger grübeln, mehr machen

Über 250 nationale und internationale Kreativpreise, Stationen bei renommierten Agenturen wie Demner, Merlicek & Bergmann, Jung von Matt und Heimat Berlin sowie die Gründung der eigenen Agentur we make stories: Thomas Niederdorfer weiß, wie das Geschäft mit guten Ideen funktioniert. Der gebürtige Villacher brachte zur Fachgruppentagung vor allem eine Botschaft mit: Die Zukunft der Kreativbranche entsteht nicht durch endlose Diskussionen, sondern durch unternehmerisches Handeln.

„Wie die Zukunft aussieht, wissen wir nicht“, stellte Niederdorfer klar. Gerade die rasanten Entwicklungen rund um künstliche Intelligenz werfen grundlegende Fragen auf: Welche Leistungen werden künftig gefragt sein? Was müssen Agenturen neu lernen? Und womit lässt sich in drei Jahren noch Geld verdienen? „Wir brauchen nicht noch mehr Prognosen. Wir brauchen Geschäftsideen, mit denen wir Geld verdienen“, so Niederdorfer.

Drei Boxen für die Zukunft

Wie sich dieser Ansatz in die Praxis übersetzen lässt, demonstrierte Niederdorfer anhand des „No-Worries-Tools“, mit dem seine Agentur arbeitet. Dahinter steckt ein Modell mit drei Bereichen: Die Ka-Ching Box zeigt, wo die Agentur besser werden kann. Die Say Goodbye Box schafft Platz für Neues: Denn nicht jede Leistung und nicht jeder Prozess muss in die Zukunft mitgenommen werden. Wer bewusst Aufgaben hinterfragt, schafft Raum für neue Ideen. Und in der No Worries Box werden Geschäftsmodelle entwickelt.

Dass es Niederdorfer ernst meint, zeigt seine Agentur: we make stories arbeitet mit externen Coaches, betreibt Marktforschung über das eigene Unternehmen und setzt aktuell 18 unterschiedliche KI-Tools ein. Neue Geschäftsideen erhalten drei Monate Zeit, um auf den Markt gebracht zu werden. Mitarbeiter:innen können dafür 20 Prozent ihrer Arbeitszeit nutzen. Dass dabei nicht jeder Versuch zum Erfolg führt, gehört zum Konzept. Neben der klassischen Werbeagentur entstanden unter anderem ein eigenes Film- und Fotounternehmen sowie mit Stories for Good ein Angebot für Start-ups. Niederdorfers Appell an die Kreativen ist klar: „Gründet neue Geschäftsideen und seid kreativ – in diesem Sinne: No Worries!“

Von Werbe-Buddys bis CREOS 2027

Dass die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation ihre Mitglieder auf diesem Weg unterstützt, machte Fachgruppenobmann Volkmar Fussi deutlich. Die „Werbe-Buddys“ – allesamt Ausschussmitglieder – stehen dabei als Ansprechpartner:innen auf Augenhöhe zur Verfügung, wenn es beispielsweise um Kalkulationen, Nutzungsrechte oder andere Fragen aus dem Agenturalltag geht. In seinem Rück- und Ausblick verwies er auf zahlreiche Aktivitäten des vergangenen Jahres – darunter Netzwerktreffen mit der Film- und Musikwirtschaft, Workshops zu Ideenfindung, KI und Honorargestaltung sowie eine Studienreise nach Mailand mit Einblicken in die Marketingzentrale von Campari. Auch rechtliche Entwicklungen rund um KI-Kennzeichnung, nachhaltige Kommunikation und politische Werbung sowie die Ausbildung des kreativen Nachwuchses standen auf der Agenda.

Ein Highlight im kommenden Jahr wirft bereits seine Schatten voraus: Am 15. Oktober 2027 feiert der CREOS sein 15-jähriges Jubiläum – mit einem grundlegend überarbeiteten Wettbewerbskonzept. Künftig wird auf die bisherigen Kategorien verzichtet. Stattdessen bewertet die Jury die eingereichten Arbeiten ganzheitlich danach, wie erfolgreich sie ein konkretes Kundenproblem lösen. Im Mittelpunkt stehen Strategie, Kreativität, Umsetzung, Ergebnisse und Nachhaltigkeit. Ein Einreichworkshop ist für Februar oder März 2027 geplant. Villach bleibt Austragungsort.

Villach zeigt, wie Stadtmarketing funktioniert

Gastgeber des Abends war das Stadtmarketing Villach. Geschäftsführer Pierre Bechler gab Einblicke in die strategische Vermarktung der Draustadt. Diese basiert auf vier Säulen: Events, Kunden- und Kaufkraftbindung, Vermarktung und Kommunikation sowie Flächenmanagement. Mit 51 Veranstaltungen im Jahr, rund 20.000 Instagram-Follower:innen und digitalen Angeboten wie der Villach Bonus App setzt die Stadt auf einen Mix aus Erlebnissen, Kundenbindung und gezielter Kommunikation.

Am Ende blieb von der Fachgruppentagung vor allem eine Botschaft hängen: Wer die Zukunft der Werbung mitgestalten will, sollte weniger Zeit damit verbringen, sie vorherzusagen – und mehr damit, sie auszuprobieren. Oder, um es mit Thomas Niederdorfer zu sagen: No Worries!

Zu den besten Fotos >>

Autor

von Create Carinthia


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